Eine Gruppe unterschiedlicher Menschen sitzt im Kreis und sprechen miteinander. Dazu das motto: "Reden allein hilft nicht. Miteinander reden hilft!"

Bericht: Themenabend mit einem betrieblichen Suchtbeauftragen der Selbsthilfegruppe EL-dro-ST e.V.

Das Selbsthilfebüro der Paritätischen Sozialdienste in Karlsruhe veröffentlicht für Selbsthilfegruppen und Freunde der Selbsthilfe aus dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe folgende Mitteilung:

Themenabend 16.01.2024

Im Rahmen unseres wöchentlichen Gruppentreffens hat uns am 16.01.2024 ein Betrieb­licher Suchtbeauftragter besucht.

Jürgen berichtete uns aus seiner eigenen Vergangenheit, als ein von der Sucht Betrof­fener, sowie von seiner Arbeit als Suchtbeauftragter bei der BBBank e.G. Karlsruhe.

Persönlicher Werdegang:
„In meiner Jugend war ich ein begabter Fußballspieler. Dass dabei der „Genuss“ von Alkohol im Kameraden- und Freundeskreis eine große Rolle spielte (z.B. Stiefel-Trinken nach erfolg­reichen Spielen oder Frusttrinken nach nicht so ganz erfolgreichen) versteht sich dabei von selbst. Ich habe aber, trotz Konsum, weiter in verschiedenen Mann­schaften Fuß­ball gespielt. Mit der Zeit bin ich immer mehr in Richtung Sucht abgerutscht. Neben familiären Problemen (u.a. der Auszug aus meinem Elternhaus), wurde dabei der Alkohol, als bester Freund, immer mehr zur Herausforderung für mich, auch in beruflicher Hinsicht. Mit Hilfe meiner Großeltern, die immer für mich da waren und unterstützten, be­gann ich eine Therapie, welche aber nicht erfolgreich war, da sich der Alkohol als der stärkere Gegner erwies.

„Ich weiß nicht, wie ich in den Kohlenkeller gekommen bin. Was ich ab da wusste, war, dass ich sofort etwas ändern musste, um mein Leben wieder in den Griff zu bekommen“.
So die Erkenntnis als ich nach einem Blackout im Keller meiner Freundin wieder zu mir kam.

Mit den Großeltern an der Seite nahm ich daraufhin meine Zukunft -ohne Alkohol- dann selbst in die Hand. Es folgten Entgiftung und Therapie in einer Suchtklinik und Andocken beim Freundes­­kreis für Sucht­krankenhilfe Karlsruhe.

Trotz vieler Höhen und Tiefen im weiteren Leben konnte ich die Sucht und das Verlangen nach Alkohol in nunmehr über 42-jähriger Abstinenz sehr gut handhaben. Auch die Trennung und der Tod meiner Ehefrau, ebenfalls süchtig und zudem mit einer psych­ischen Erkrankung, waren für mich kein Grund, um rückfällig werden. Mein Leitsatz dazu lautet: „Keiner kann mir Alkohol verbieten, ich will jedoch keinen trinken!“

Heute lebe ich in einer glücklichen Beziehung und freue mich über und mit meinen Enkeln.

Als Suchtbeauftragter:
Meine Arbeitgeber haben mich vor, bei und nach meiner Therapie jederzeit unterstützt. Ich kom­muniziere meinen Status als trockener Alkoholiker immer und erfahre dabei jede Menge Akzeptanz und Offenheit.
Nach einem Arbeitsplatzwechsel zur BBBank e.G. kam im Jahr 2015 der Personalbereich mit der Frage auf mich zu, ob ich mir die Rolle des Suchtbeauftragten der BBBank vorstellen könnte. Dies konnte ich gerne zusagen. Die Position führe ich seither, auch nach meinem Renteneintritt, weiter fort. Ich bin für jeden und jederzeit ansprechbar, mittlerweile nicht nur zum Thema Sucht.
Mit unseren Auszu­bildenden besuchen wir jedes Jahr die Rehaklinik Freiolsheim, Fachklinik für drogen- und mehrfachabhängige Frauen und Männer, um dort einen Tag mit Betroffenen, Therapeuten und Mitarbeitern aus den Bereichen Medizin, Sucht- und Psychotherapie, Arbeits- und Ergotherapie, Kunst- und Sporttherapie, Pädagogik und Sozialdienst zu verbringen. Dabei ist der offene Austausch und Umgang miteinander besonders her­aus­zuheben.

Jährlich veranstaltet mein Arbeitgeber Gesundheitstage. Dieses Jahr werden wir zusätzlich einen Sucht­präventionstag mit verschiedenen Aktionen für die Kolleginnen und Kollegen des Unternehmens ausrichten.“

Während des Vortrages von Jürgen ergaben sich natürlich auch Fragen, auf welche dieser bereitwillig einging. Im Anschluss erfolgte dann ein reger Austausch aller Teilnehmer zur gerade erfahrenen Thematik.

Dabei ist für den Autor folgender Kernsatz „hängen“ geblieben:

„Kein Betroffener muss aufhören müssen, sondern er muss aufhören wollen!“

Wir danken Jürgen für einen beeindruckenden Abend.

Rudolf Fitterer
EL-dro-ST e.V.

Selbsthilfebüro Karlsruhe


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Kontakt

Tel.: 0721 / 912 30 – 25
Fax: 0721 / 912 30 – 52
E-Mail: selbsthilfe@paritaet-ka.de
Kurz-Link: www.selbsthilfe-ka.de

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