Suchterkrankungen im Alter – Vortrag im Rahmen der Aktionswoche Selbsthilfe 2019 „Wir hilft“

Erstellt: Mittwoch, 19. Juni 2019
Der Referent bei seinem VortragStephan Peter-Höner, Leiter Fachklinik Fischer-Haus Gaggenau und Leiter Suchtberatungsstelle Karlsruhe

„Wieviel Alkohol pro Tag ist gesund? Wieviel Nikotin pro Tag ist gesund?“ – die Fragen zeigen, wie gesellschaftsfähig vor allem Alkohol ist. Natürlich wissen wir, dass keines von beiden gesund ist – aber in der Regel interessiert uns eher, wieviel denn (noch) OK ist. Und die Mengen, die gesundheitlich tatsächlich (noch) OK sind, sind wesentlich geringer als die meisten von uns denken – vor allem bei älteren Menschen. Sie verarbeiten diese Stoffe schlechter als jüngere Menschen, durch Einnahme – meist vieler verschiedener - Medikamente gibt es insbesondere bei Alkohol Wechselwirkungen.

Stephan Peter-Höner, Leiter der Fachklinik Fischer-Haus Gaggenau und der Suchtberatungsstelle Karlsruhe, bekommt in seiner Arbeit die Folgen unterschiedlichster Suchtmittel mit: Neben Alkohol und Tabak sind dies Medikamente, illegale Drogen, Glücksspiel, Verhaltenssüchte, die essen oder kaufen beinhalten. Aber auch Co-Abhängigkeit zählt dazu.

In Pflegeheimen fallen insbesondere Medikamenten- und Alkoholabhängigkeiten auf. 25% der über 70jährigen sind medikamenten- , ca. 19% der Männer sind alkoholabhängig. Woher kommt das?

Viele Herausforderungen des Alterns müssen bewältigt werden: Durch gesundheitliche Einschränkungen wird die selbständige Lebensführung erschwert. Soziale Kontakte verringern sich. Man wird nicht mehr gebraucht. Verluste, Kränkungen, Krisen nehmen zu. Medikamente und/oder Alkohol als Lösungsstrategie werden häufig von Angehörigen und sogar Pflegepersonal akzeptiert: „Jetzt will man ihr das auch noch wegnehmen!“ Entgegen verbreiteter Ansichten, dass sich im höheren Alter eine Entwöhnung nicht mehr lohne, gibt es gute Erfahrungen mit entsprechenden Reha-Behandlungen. Das Wiedererlangen der Alltagskompetenz, die Wiederaufnahme sozialer Kontakte und die Vermeidung weiterer körperlicher Folgeschäden geben Selbstachtung und Würde zurück.

Als „stille Sucht“ ist die Medikamentenabhängigkeit oft unbemerkt. Ärztliche Verordnungen erfolgen nicht immer sachgerecht, Medikamente mit Abhängigkeitspotential (z.B. Opioide, Benzodiazepine, alkoholhaltige Medikamente) werden nicht selten mit zu hohen Dosen, zu lange und ohne klare Indikation verschrieben. Die Wechselwirkung gleichzeitig eingenommener Medikamente – verordnet von unterschiedlichen Fachärzt*innen – wird zu wenig beachtet. Irgendwann ist nicht mehr feststellbar, was eigentlich Ursache und was (Neben-)Wirkung ist. Empfohlen wird deshalb, den Medikamentenplan jährlich von Ärzt*innen und Apotheker*innen überprüfen zu lassen.

Wie wichtig die Eigenverantwortung ist, wurde bei den sehr persönlichen Schilderungen von Mitgliedern zweier Selbsthilfegruppen aus dem Suchthilfebereich deutlich. Denn die aktive Bewältigung einer Suchterkrankung erfährt durch Menschen, die selbst Sucht erfahren haben, wertvolle Unterstützung.

Informationen, welche Selbsthilfegruppen im Bereich „Sucht“ in Karlsruhe und Umgebung existieren, erhalten Sie vom Selbsthilfebüro im Hardtwaldzentrum.

Kontakt:
Selbsthilfebüro im Hardtwaldzentrum
Michael Böser, Tel.: 0721 / 912 30 - 25
Elke Vienken, Tel.: 0721 / 912 30 -53
Fax: 0721 / 912 30 - 52
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