
BNN 14.06.2010
Beim Informationstag zum Thema Sucht präsentierten sich zahlreiche Selbsthilfegruppen
"Das Thema Sucht wird in der Öffentlichkeit oft totgeschwiegen, weil die Hemmschwelle hoch ist." Michael Böser und Esther Gräfenecker vom Selbsthilfebüro im Hardtwalzentrum kennen die Ängste und Sorgen von Suchtkranken genau. Sie wissen, wie schwer es vielen Menschen fällt, sich ihre Sucht einzugestehen und sich Hilfe zu holen.
"Für jeden Suchtkranken kommt das Eingeständnis, krank zu sein, einem Outing gleich", sagt Böser. "Wir wollen mit unserem ersten Info-Tag zum Thema Sucht diesen Menschen ein weinig von Ihrer Angst nehmen und helfen, Wege aus ihrer Krankheit zu finden."
Er ist ein Testballon, dieser erste Info-Tag zum Thema "Sucht", bei dem sich rund 15 verschiedene Selbsthilfegruppen aus Karlsruhe und dem Landkreis vorstellten.
"Vieler dieser Selbsthilfegruppen sind Anlaufstellen für stoffgebundene Suchterkrankungen wie Alkoholismus oder Drogenabhängigkeit", erklären Esther Gräfenecker und Michael Böser.
"Aber es gibt auch Gruppen, in denen sich Leute zusammenfinden die zum Beispiel kaufsüchtig sind. Auch nicht-stoffgebundene Arten von Sucht wie diese sind leider aktueller denn je", stellen die beiden Experten fest.
Dass Sucht viele Gesichter haben kann erfahren die Mitarbeiter des Selbsthilfebüros täglich.
"Manche Suchterkrankungen sind sehr undurchsichtig, weil die Betroffenen von verschiedenen Stoffen abhängig sind oder unterschiedliche psychische Probleme der Sucht zugrunde liegen", erklären sie. "Wir sind als Vermittler zwischen den Betroffenen und den Selbsthilfegruppen dafür da, für jeden Betroffenen den passenden Ansprechpartner zu finden."
An zahlreichen Informationsständen konnten Interessierte gestern Kontakte knüpfen und sich wertvolle Hinweise geben lassen. Außerdem gab es Erfahrungsberichte zu hören und einen Filmbeitrag von einer Angehörigen-Gruppe.
Darin ging es um die, so Gräfenecker, "traurige Tatsache, die leider oft vergessen wird: Angehörige von Suchtkranken leiden mit und brauchen oft genauso sehr Hilfe wie ihre suchtkranken Familienmitglieder."
Die Al-Anon Familiengruppen sind solche Selbsthilfegruppen, die sich an Angehörige von Alkoholkranken richten. "Wir möchten Verwandte und auch Freunde von Alkoholikern ermuntern, ihre Probleme mit uns zu teilen", sagt Al-Anon-Mitglied Gertrud.
"Unser Anliegen ist es, diesen Menschen Hoffnung zu geben und ihnen Mut zu machen. Wie die Anonymen Alkoholiker folgen auch wir einem Zwölf-Schritte-Plan, der den Angehörigen hilft, mit ihren Problemen umzugehen."
Der Kurier - Februar 2010
Neun Interessierte haben die Schulung zum In-Gang-Setzer® bei den Paritätischen Sozialdiensten im Hardtwaldzentrum abgeschlossen.
Am 7. Forum Selbsthilfe, dem jährlichen Treffen aller Selbsthilfegruppen, wurde interessierten Selbsthilfegruppenmitgliedern das Konzept der In-Gang-Setzer®, welches finanziert wird vom Bundesverband der Betriebskassen (BKK), vorgestellt.
In-Gang-Setzer® sind Personen, die sich freiwillig für andere Selbsthilfegruppen engagieren und diese auf Wunsch sowohl in der Gründungsphase als auch in schwierigen Gruppenphasen unterstützen.
Neun Interessierte meldeten sich und nahmen schließlich an der von Karin Marciniak durchgeführten Schulung teil.
Frau Marciniak, Supervisorin DGSv, referierte und stellte die aktuelle Situation vieler Selbsthilfegruppen vor. Sie ging ein auf die Bedeutung der Selbsthilfegruppen im Gesundheitssystem und erläuterte schwierige Situationen, denen Selbsthilfegruppen in der Gründungsphase ausgesetzt sein können.
Die Schulungen wurden von Esther Gräfenecker und Michael Böser, den Mitarbeitern des Selbsthilfebüros, begleitet.
Alle In-Gang-Setzer® freuen sich nun auf ihre ersten Einsätze. Diese werden durch das Selbsthilfebüro im Hardtwaldzentrum, der Selbsthilfekontaktstelle für Selbsthilfegruppen in der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe, vermittelt.