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Selbsthilfebüro im Hardtwaldzentrum, Kanalweg 40/42, 76149 Karlsruhe, Tel. 0721 9123025 oder Mail selbsthilfe@paritaet-ka.de
Beim Informationstag zum Thema psychische Erkrankungen wurden am Wochenende, 2. April 2011, auf abwechslungsreiche Weise die unterschiedlichen Facetten der Krankheit beleuchtet
Millionen Menschen sind psychisch erkrankt. Die Erkrankung der Seele ist bei vielen Mitmenschen jedoch ein Tabuthema. Betroffene und Angehörige stoßen häufig auf eine nicht aufgeklärte und verständnislose Umwelt. Am Wochenende initiierte nun das Selbsthilfebüro im Hardtwaldzentrum den ersten Informationstag in Karlsruhe, bei dem sich Angehörige, Betroffene und Interessierte bei Vorträgen und an zahlreichen Informationsständen informieren und austauschen konnten.
Insgesamt fünf Selbsthilfegruppen aus der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe informierten an ihren Ständen über ihre Tätigkeit und ihr Anliegen. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich, das Ziel ist jedoch immer gleich: Ein Programm erstellen, das jeweils auf die Bedürfnisse der Mitglieder eingeht - genau das, was eben eine Selbsthilfegruppe ausmacht. Das Spektrum der Angebote ist dabei sehr breit, ebenso unterschiedlich, wie die Auswirkungen der Krankheit sein können. Hierzu bietet der Verein Schiller 33 e.V. , eine Begegnungsstätte und Künstlergemeinschaft für psychisch Kranke, ein breites Angebot, wie z.B. offener Treff mit Gesprächen, Kochen, Ausflüge und Malen. Der Arbeitskreis Leben sowie der Verein Agus konzentrieren sich bei ihrer Arbeit auf den Umgang mit suizidgefährdeten Menschen und deren Angehörigen. Das Gemeindepsychiatrische Zentrum bietet Unterstützung und Beratung rund um das Thema in Bruchsal an, und der Kreis der Angehörigen psychisch Erkrankter möchte sich ausschließlich an Menschen richten, aus deren Familie ein anderes Mitglied psychisch erkrankt ist. Neben den Informationsständen gab es am Stand des Selbsthilfebüros auch Informationen zu weiteren Gruppen. So gibt es in Karlsruhe beispielsweise eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von psychisch kranken Kindern und Jugendlichen.
Den Rahmen des Informationstages stellte ein abwechslungsreiches Programm dar. "Wir haben gelernt trotz der psychischen Erkrankung meiner Kinder viel Freude am Leben zu haben und zufrieden und glücklich zu sein", erzählt Barbara Mechelke den Interessierten. Das Gespräch mit Mechelke und ihrer erkrankten Tochter war die erste Veranstaltung des abwechslungsreichen Programms des Tages. Das Interview beleuchtete sowohl die Perspektive der psychisch Erkrankten sowie die der Angehörigen. Offen und ehrlich erzählten Mutter und Tochter über die Krankheit und deren Verlauf. Sie berichteten über Erfahrungen mit Ärzten, Veränderungen im eigenen Freundeskreis, aber auch über Stärke, Zuversicht und Unterstützung, die sie trotz der Erkrankung erfahren haben.
Als zweiter Programmpunkt folgte ein Vortrag von Herrn Dr. Breidert. Als Vater einer psychisch kranken Tochter stellte er die Sichtweise der Angehörigen in den Vordergrund. "Man wird zwangsweise zum Angehörigen", erzählt er. Professionelle Hilfe sei nicht immer ausreichend, oft brauchen gerade die Angehörigen ein offenes Gespräch mit anderen in einer ähnlichen Situation und einen freien Umgang mit dem Problem. Gruppen, wie der Kreis der Angehörigen psychisch Erkrankter der AWO Karlsruhe, richten sich dazu ausschließlich an die Angehörigen. Ein Austausch über den Dschungel der Bürokratie, der Einrichtungen und Hilfsorganisationen sei genau so wichtig, wie Gespräche über die eigene Hilflosigkeit, die Angst, Schuldgefühle oder Isolation, betont Siegfried Fischer, Initiator des Kreises. Auch Breidert unterstreicht in seinem Vortrag die wichtige Entlastungsfunktion solcher Selbsthilfekreise für die Angehörigen.
Für einen gelungenen Abschluss des Programms sorgte Frau Willhelm, die sich dem Thema psychische Erkrankungen auf humoristische Weise näherte. Durch ihre eigene psychische Erkrankung gab sie auf amüsante, aber ernsthafte Weise tiefe Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Erkrankten. In ihren Texten und Gedichten, von denen sie viele während ihrer Krankheit schrieb, geht es um die "Augen im Bauch", die "Synapsengewitter im Kopf" und immer wieder darum, den zunehmenden Mut zu haben, die eigene Wahrheit zu leben.
Der Informationstag war ein voller Erfolg. Trotz des sommerlichen Wochenendes kamen zahlreiche Interessierte. Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen wurden zahlreiche Gespräche geführt, und die Resonanz der Besucher war durchweg positiv. Michael Böser vom Selbsthilfebüro des Hardtwaldzentrums ist sich sicher: "Das machen wir sicherlich noch mal."
Uhrzeit: 18:00 bis 20:00 Uhr
Ort: Städtisches Klinikum Karlsruhe
Teilnehmer:Vertreter der Selbsthilfegruppen der Stadt und des Landkreises Karlsruhe, Vertreter des Sprecherrates der IGS, die Selbsthilfebeauftragte des Städtischen Klinikums, die Mitarbeiter des Selbsthilfebüros, Vertreter der Krankenkassen.
Gäste: Frau Dr. Lücke (AOK), Herr Bühler (DAK), Frau Sinner (Paritätische Sozialdienste).
Moderation: Frau Gräfenecker
Protokoll als PDF zum Download:
» Protokoll 10. Forum Selbsthilfe 16.11.2011