Zu Besuch in der barrierefreien Musterwohnung des KVJS in Stuttgart

Erstellt: Donnerstag, 17. November 2016

Eine Fußgängerin und eine Rollstuhlfahrerin auf der abwärts führenden Rampe6%: Rollt schneller, als sich mancher Fußgänger vorstellt. Eine Kollegin testet das Runterfahren einer Rampe mit dem Rollstuhl.

6% Steigung wirken nicht sehr steil - für körperlich fitte Menschen. Wer diese 6% jedoch ungewohnter Weise mit einem Rollstuhl hoch- oder runterfahren möchte, bekommt ein anderes Bild. Da erschließt sich der Sinn einer Begrenzung der Steigung und der nach DIN-Normen vorgeschriebenen Zwischenpodeste.

Anja Schwarz, Wohnberaterin, führte die Ehrenamtlichen der Wohnberatung der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe alltagsnah in eine eingeschränkte Lebenswelt ein. Wer gesund und einigermaßen gut zu Fuß, Auge, Ohr und Hand ist, macht sich kaum Gedanken, wie Standardlösungen behindern können. Manchmal macht auch der Zahn der Zeit einer überlegten Planung einen Strich durch die Rechnung: Wenn z.B. die Witterung ehemals helle Treppenstufen so verdunkelt, dass die zuvor kontrastreichen, weil dunklen, Markierungsstreifen an den Kanten kaum noch sichtbar sind.

FenstergriffverlängerungDie Fenstergriffverlängerung erleichtert das Öffnen und Schließen.
Elektrischer RolladenantriebEinfach nachzurüsten: Elektrischer Rolladenantrieb


Die Werkstatt Wohnen, durch die Frau Schwarz führte, ist eine barrierefreie Musterwohnung des KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg). Sie dient als Ausstellungs- und Beratungsraum und wird für Vorträge und Fortbildungen genutzt. In verschiedenen Räumen werden nicht nur bauliche Lösungen gezeigt, sondern auch diverse Hilfsmittel. Dabei geht es nicht immer um bloße Barrierefreiheit oder Hilfe bei Einschränkungen. Einige Maßnahmen erhöhen auch den Einbruchsschutz, wie die elektronische Anzeige über geöffnete Fenster und Türen.

Sensor am TürrahmenEin Sensor, der Fenster und Türen überwacht, ob sie offen oder geschlossen sind
Elektronische Anzeige für die Fenster und Türen in der WohnungElektronische Anzeige der Fenster und Türen, die mit Sensoren verbunden sind. Rotes Licht: geöffnet. Grünes Licht: geschlossen.


So komprimiert und vielfältig Möglichkeiten und Varianten demonstriert zu bekommen begeisterte alle Ehrenamtlichen. In einigen Köpfen arbeitete es sichtlich, wie die eine oder andere Lösung selbst eingesetzt werden könnte. Meist ist es doch so, dass Planung und Umsetzung für körperliche oder geistige Einschränkungen/Behinderungen auch gesunden Menschen Erleichterung bietet. Eine ausziehbare stabile Platte im Küchenschrank neben dem Kühlschrank hilft also nicht nur dem Senior das Abstellen und Verräumen seines Einkaufs – diese Annehmlichkeit lehnten vermutlich die wenigsten ab, wäre sie Standard im Küchenprogramm. Magnetisch anzubringende LED-Lämpchen, die nachts den Weg zur Toilette erleuchten, helfen auch Kindern. Und wer sich schon einmal ordentlich den Rücken verzogen hat, weiß, dass zumindest jetzt ein Dusch-WC eine schöne Annehmlichkeit wäre.

Herausziehbare Arbeitsplatte neben dem Kühlschrank 
Herausziehbarer WasserhahnHerausziehbarer Wasserhahn mit Brause für das Waschbecken im Badezimmer


Sehr wertvoll waren Frau Schwarz‘ Hinweise auf kreatives Um-die-Ecke-denken. Denn manchmal helfen kostengünstige Bauteile oder Gegenstände, die ursprünglich für ganz andere Zwecke gedacht waren. So z.B. versenkbare Steckdosen aus dem IT-Bereich. Oder eine einfache akustische Trittmatte - die „Katzen-Klingelmatte“ - statt einer teuren Sensormatte.

Telefon mit großen BildtastenBildtelefon - statt Tasten Icons, Bilder, große Schrift 
Trittmatte mit KabelKatzentrittmatte. Bei Berührung gibt sie ein akustisches Signal.


Der Besuch der Musterwohnung hinterlässt tiefen Eindruck. Öffnungszeiten und Kontakt finden Sie auf der Website des KVJS: www.kvjs.de/soziales/werkstatt-wohnen.html. Über einen virtuellen Rundgang mit Übersicht, Fotos und Erklärungen sind die Räume und die Einrichtung sogar online zu besichtigen.

Haltegriff mit stabilen Saugnäpfen an der BadezimmerwandMobiler Haltegriff im Badezimmer 
Mobiler NotfallknopfNotfallknopf für unterwegs: Per Knopfdruck schnell Hilfe holen. Anschluss funktioniert per SIM-Karte.


Die Wohnberatung der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe unterstützt Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Landkreises Karlsruhe, sicher und selbstständig bis ins hohe Alter in der eigenen Wohnung zu bleiben. Die Förderung der Stadt Karlsruhe ermöglicht mittels des Begleitservice durch Ehrenamtliche die Unterstützung bei Wohnungsanpassungen oder Umbaumaßnahmen.

Kontakt:
Daniela Hahn-Schaefer
Tel.: 07 21 / 9 12 30 – 55
Fax: 07 21 / 9 12 30 – 52
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