Seniorin und Student in einer WG: Wie eine zweite Familie

Erstellt: Freitag, 12. August 2016

„Wohnen für Hilfe“ vermittelt Wohnpartnerschaften

Seniorin und Student beim Kaffeetisch

Die Töchter waren von der Idee ja nicht begeistert – ihre Mutter wollte jemand Fremdes bei sich wohnen lassen? Einen männlichen Studenten? Auch Bekannte und Freundinnen waren skeptisch.

Aber die Seniorin war überzeugt: Warum denn nicht? So agil sie ist, es wäre ihr doch wohler, nicht mehr ganz alleine zu wohnen. Falls es ihr doch mal nicht gut ginge, wäre jemand da. Und für manche körperlich etwas lästige Arbeit klingt eine tatkräftige Hilfe ebenfalls praktisch.

Also rief Beate D. bei den Paritätischen Sozialdiensten an, die gemeinsam mit dem Studierendenwerk über „Wohnen für Hilfe“ Studierende auf Zimmersuche vermitteln. Die Studierenden unterstützen bei diesem Projekt ihre Wohnraumgeber im Alltag - dafür bezahlen sie weniger Miete.

Hadi A., 27jähriger Maschinenbaustudent aus dem Iran, suchte nach solch einem Zimmer. Für ihn ist es selbstverständlich, dass sich Generationen gegenseitig unterstützen. Seine sehr geschätzte Großmutter starb kurz vor seiner Abreise nach Deutschland und er vermisste sie.

Mittlerweile wohnt der Student fast ein Jahr bei ihr, und es geht ihnen richtig gut miteinander. Sie unterhalten sich gerne und ausgiebig. „Sie liest noch mehr als ich!“, so der 27jährige. „Dabei lese ich für mein Studium doch schon viel.“

Der Student hat von seiner Wohnraumgeberin viel über deutsche Gepflogenheiten erfahren, die Seniorin lernte über ihn mehr von Land und Leuten im Iran kennen.

Bei einem Treffen mit Bürgermeister Martin Lenz und den Organisatorinnen von „Wohnen für Hilfe“ erzählte sie, dass sie schon beim Skypen mit seinen Eltern dabei war. Da der Vater deutsch spricht, konnten sie sich direkt unterhalten. Großen Eindruck hinterließen bei ihr auch Fotos seiner Heimatstadt.

Für die Seniorin ist dieser Student wie ein Schutzengel. Deshalb mache sie auch fleißig Werbung für diese Wohnform, berichtete sie. Sie kenne viele Ältere, die irgendwann in ein Heim gehen, weil die Wohnung zu groß sei und sie sich einsam fühlten. Aber bei vielen fehle der letzte Anstoß, um ein Zimmer an eine Studentin oder einen Studenten zu vergeben. „Das kann ich nicht ganz verstehen. Ich finde das schade“.

Nicht nur die Töchter haben längst erkannt, dass diese Wohnpartnerschaft ihrer Mutter gut tut. Hadi A. ist im Familienkreis aufgenommen und gerne bei Treffen und Feiern dabei. Auch die ursprünglich so skeptischen Bekannten sagen: Da hat sich ein Traumpaar gefunden.

Weitere Informationen

Wer sich über „Wohnen für Hilfe“ informieren möchte, bekommt Informationen von den beiden Koordinatorinnen Stefanie Bienwald und Susanne Butz.
Sie erreichen Sie unter der Telefonnummer 0721 91230-34 oder per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Auf der Website der Paritätischen Sozialdienste sowie auf der Facebookseite von „Wohnen für Hilfe“ werden die Studierenden auf Zimmersuche kurz vorgestellt:
Wohnen für Hilfe
www.facebook.com/wfh.karlsruhe

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