Wohnen heißt verändern - Vorträge der Wohnberatungsstelle der Paritätischen Sozialdienste

Erstellt: Dienstag, 05. April 2016

"Wohnen heißt verändern" – obwohl Günter Fischer, Architekt im Ruhestand, diesen Satz seines Professors als junger Student nicht ganz verstand, blieb er doch in seinem Gedächtnis.

Mit den Jahren bestätigte sich dieser Satz für ihn aber immer wieder. Aus dem Single-Apartment geht es in eine gemeinsame Wohnung. Die Familie wächst, der Platzbedarf ebenso. Die Kinder ziehen aus – was wird aus der großen Wohnung?

Wohnen im Alter kann beschwerlich werden

Aus seiner langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit in der Wohnberatung der mark bzw. Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe weiß Günter Fischer: Im Alter stehen die nächsten notwendigen Veränderungen am Haus und in der Wohnung an. Romantisches Kopfsteinpflaster am Weg zum Haus, Treppen ohne Handlauf, sparsam eingestellte Treppenhausbeleuchtungen, mehrere Teppichläufer, um die Füße warm zu halten – solche Dinge sind für gesunde, fitte Menschen kein Problem. Wenn der Tritt aber nicht mehr so sicher ist, eine Brille die Seheinschränkung nicht mehr auffangen kann, die Reaktionsfähigkeit verlangsamt ist: Dann wird es beschwerlich bis behindernd.

Nicht passende Höhen, Breiten oder Abstände erschweren bei eingeschränkter körperlicher Gesundheit die Selbständigkeit. Sessel, Betten oder Toiletten sind zu tief, um sich gut aufrichten zu können. Ablagen sind zu klein, so dass die notwendigen Dinge gar nicht alle Platz finden. Türen sind zu schmal, um mit Stöcken oder Rollstuhl durchzukommen. Spiegel sind zu hoch, um sich beim Waschen im Sitzen sehen zu können. Lampen blenden, wenn sie auf der falschen Höhe angebracht sind.

Lösungen sind immer von den Menschen und Situationen abhängig

Günter Fischer stellte verschiedene Lösungsmöglichkeiten vor. Zu bedenken gab er, dass Lösungen stets für den individuellen Fall gesucht werden müssen. Wohnberatung betrifft meist Wohnen im Bestand, keine Neuplanung; das macht standardisiertes Vorgehen hinfällig. In alte Baustrukturen passen selten DIN-Vorgaben, da ist Hinschauen, Kreativität und manchmal auch in Kauf nehmen des „kleineren Übels“ gefragt – häufig schon aus Kostengründen.

Und natürlich müssen Lösungen bis ans Ende gedacht sein: Die bodengleiche Dusche im Hotel, deren Gefälle in Richtung angrenzendes Zimmer lag, nutzt Günter Fischer gerne für seine Sammlung „gut gemeint ist nicht immer gut“.

Ein weiteres Beispiel nicht zu Ende gedachter Lösungen griff Daniela Hahn-Schaefer auf: Die Badewanne mit Tür. Daniela Hahn-Schaefer ist die hauptamtliche Wohnberaterin der Paritätischen Sozialdienste Karlsruhe und kennt viele Situationen, in denen sich die Erfordernisse an die Wohnungseinrichtung schneller änderten als die Betroffenen dachten. Die Badewanne mit Tür scheint eine passable Lösung zu sein, wenn noch eine gewisse Mobilität vorhanden ist. Sobald aber die Füße auch nicht mehr über die Türschwelle gehoben werden können, ist eine neue Lösung notwendig. Besonders, wenn es um Umbauten und größere Geldbeträge und Zuschüsse geht, ist es sinnvoll, eine unabhängige Beratung in Anspruch zu nehmen.

Eine gute Wohnberatung sieht auch die kleinen Dinge

Dank der Förderung der Stadt Karlsruhe können die Wohnberatungen durch die Paritätischen Sozialdienste im Stadtgebiet kostenfrei durchgeführt werden. Manchmal ist den Ratsuchenden schon mit kleinen Dingen geholfen: Umräumen, Kabel fest verlegen, Türschlösser für Bad und Toilette durch ein Drehschloss ersetzen, mit festen Schaumstoffpolstern Sitze und Sofas erhöhen. Häufig übernehmen Familienangehörige solche Aufgaben.

Mittlerweile sind Möbelstücke wie elektrisch verstellbare Sessel oder Auszugsböden für die Küche bezahlbar geworden – teure Sonderanfertigungen erübrigen sich oft.

Werden Änderungen an der Wohnung durch Handwerker benötigt, gelingt das im Landkreis häufig einfacher: Die Menschen kennen sich, da kommen Chefin oder Angestellte auch mal kurz vorbei, um sich das Ganze anzuschauen. So werden elektrische Rolladenheber installiert, Fenstergriffe nach unten versetzt, der Wasserschlauch in der Küche durch einen ausziehbaren ausgewechselt, ein zweiter Handlauf an die Kellertreppe montiert. In der anonymeren Stadt ist es manchmal etwas schwieriger, gleich den richtigen Betrieb zu finden, der kleine Änderungen kostengünstig übernimmt. Aber auch hier kann Daniela Hahn-Schaefer beraten.

Neu in der Stadt Karlsruhe: Der Begleitservice der Wohnberatung

Zusätzlich gibt es seit diesem Jahr für die Stadt Karlsruhe den Begleitservice der Wohnberatung: Hier unterstützen Ehrenamtliche die Ratsuchenden bei notwendigen Handgriffen oder bei Kontakten zu verschiedenen Stellen. Manchmal macht den Ratsuchenden die Vorstellung über anstehende Änderungen, über Handwerker, die vielleicht zu etwas überreden könnten, über bürokratische Hürden Angst. Eine Begleitung ist den Seniorinnen und Senioren eine willkommene Hilfe.

Wer Interesse hat, sich beim Begleitservice ehrenamtlich zu engagieren, wird gerne von Susanne Butz von den Paritätischen Sozialdiensten unter 0721 91230-34 informiert.


Einen Bericht über den Vortrag "Gesundheitliche Veränderungen im Alter" von Frau Dr. Wächter, Geriatrisches Zentrum Karlsruhe, finden Sie ebenfalls auf unserer Website: 

Gesundheitliche Veränderungen im Alter – Vortrag bei der Wohnberatungsstelle der Paritätischen Sozialdienste


Kontakt:

Wohnberatung
Daniela Hahn-Schaefer
Tel.: 07 21 / 9 12 30 - 55
Fax: 07 21 / 9 12 30 - 52
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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