Gesundheitliche Veränderungen im Alter – Vortrag bei der Wohnberatungsstelle der Paritätischen Sozialdienste

Erstellt: Dienstag, 15. März 2016

„Den Höhepunkt des Lebens erreicht man mit 17“, zitierte Frau Dr. med. Wächter einen 13jährigen.

Die Fachärztin für Innere Medizin, die im Geriatrischen Zentrum Karlsruhe tätig ist, löste Erheiterung bei den über 30 Zuhörenden aus. Schließlich haben sie alle diesen „Höhepunkt“ schon lange überschritten: Die Kreisseniorenrätinnen und –räte des Landkreises Karlsruhe und die Ehrenamtlichen aus der Stadt Karlsruhe, die sich bei dieser ersten Schulung zum Thema „Wohnberatung“ informieren wollten.

Wohnberatung – was bedeutet das? „Treppenlift“ ist vermutlich ein Gedanke, der den meisten in den Sinn kommt, wenn es um Wohnraumanpassungen im Alter geht. Aber schon lange vorher können einfache Änderungen das Wohnen in den eigenen vier Wänden erleichtern.

Denn im Alter nehmen nicht nur Seh- und Hörvermögen ab, auch Tast- und Gleichgewichtssinn verschlechtern sich. Herz und Kreislauf machen nicht mehr so mit wie früher. Reaktionen verlangsamen sich. Kraft und Beweglichkeit nehmen ab. Notwendig gewordene Medikamente bringen unerwünschte Nebenwirkungen mit. Plötzlich stolpern ältere Menschen über kleine Teppiche oder an Kellerstufen, obwohl sie doch Jahrzehnte problemlos diese Wege gegangen sind. Passiert dies häufiger, werden manche Situationen gerne vermieden: Draußen regnet oder schneit es und die Straßen könnten rutschig sein? Spaziergänge strengen zunehmen an? Wenn mehrere Leute sprechen, verstehen sie nur noch einen Teil davon (und das Hörgerät piept immer so)?
Lieber bleiben sie zu Hause. Mit der Folge, dass Beweglichkeit und Selbständigkeit immer mehr abnehmen.

Vermeidung kann nicht die Strategie sein. Wichtig ist zu wissen: Alterungsprozesse sind völlig normal, aber körperliche und geistige Gesundheit können durch Aktivität und Training länger aufrechterhalten werden. Neues ausprobieren, neue Wege gehen, das fordert das Gehirn – im Gegensatz zum immer gleichen Kreuzworträtsel. Bewegung und körperliches Training, gesunde Ernährung, eine sinnvolle Aufgabe – das hält fit. Wege frei räumen, Treppenstufen markieren, für gute Beleuchtung, die nicht blendet, sorgen – es sind kleine Handgriffe mit großer Wirkung. Das Leben bleibt länger selbstbestimmt.

Wie können ältere Menschen von Bekannten, Verwandten oder Ehrenamtlichen unterstützt werden? Auch hier hatte Frau Dr. med. Wächter wertvolle Hinweise.

Älteren Menschen fällt es oft schwer, Einschränkungen oder Beschwerden zuzugeben oder um Hilfe zu bitten. Da nicken sie zustimmend bei Gesprächen, auch wenn sie ihm nicht folgen konnten. Sie bauen geschickte Fassaden auf, die es schwer machen, tatsächliche Probleme zu sehen. Gewohnheiten werden ungern aufgegeben. Manche wirken abweisend und misstrauisch – die Folge von zu vielen Verlusten, die sie bereits machten.

Dies zu wissen, hilft. So manche Eigentümlichkeit lässt sich besser einordnen. Den Blickkontakt halten, ist gut, langsam und deutlich sprechen, sich nicht verstellen – denn ein lächelnder Mund, während der Rest des Körpers Distanz signalisiert, wird mit feinen Antennen wahrgenommen.

Es wird auch Situationen geben, bei denen sich die Frage nach einer Erkrankung des Gehirns stellt: Depression? Demenz? Sucht? Die Diagnose fällt auch Ärzten nicht leicht, deshalb sind Beobachtungen von verschiedenen Seiten wichtig.

Aber alles in allem gilt auch:

„Alte Menschen sind ja nicht alle gleich, wahrscheinlich sind sie das sogar noch weniger als irgendeine andere Altersgruppe: Denn ihr langes Leben hat sie zu Individualisten gemacht. Eines unserer augenblicklichen Probleme ist, das die Gesellschaft sich weigert, das zu verstehen, und alle alte Leute als ‚gleich‘ behandelt“.
Lily Pincus, Das Hohe Alter, München: Piper 1992, 56-57


Der Vortrag „Gesundheitliche Veränderungen im Alter“ von Frau Dr. Elke Wächter eröffnete eine Schulungsreihe zur Wohnberatung bei den Paritätischen Sozialdiensten Karlsruhe.

Interessierte erfahren hier mehr über die Situation von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen, die bei der Wohnberatungsstelle um Beratung und Unterstützung nachfragen. In weiteren Terminen werden typische Fälle in der Wohnberatung aus Sicht des Architekten und aus Sicht der Ergotherapeutin vorgestellt, sowie Finanzierungsmöglichkeiten von Maßnahmen besprochen.

Wer in der Stadt Karlsruhe ältere Menschen unterstützen möchte, die Wohnung altengerecht anzupassen, ist herzlich eingeladen, sich über den ehrenamtlichen Begleitservice in der Wohnberatung zu informieren.
Ansprechpartnerin: Susanne Butz, Paritätische Sozialdienste gGmbH Karlsruhe, Tel. 0721 91230-34, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Einverstanden Weitere Informationen