“Feuchten Sie das Filterpapier an!“: Ehrenamtliche zu Besuch bei den Kaffeeröstern

Erstellt: Mittwoch, 28. Oktober 2015

Eine Pfanne auf dem heimischen Herd. Mit diesen einfachen Mitteln begannen die beiden Gründer von espresso tostino, Gerald Hammer und Stefan Kehr, – und so röstete ihre Tante früher die Kaffeebohnen selbst, erinnerte sich plötzlich eine der Besucherinnen. Ist es nicht so, dass Gerüche längst vergessene Erinnerungen wachrufen? Es ist wohl so. Die Frauen, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich in Projekten der Paritätischen Sozialdienste engagieren und die Rösterei besichtigten, waren sich einig: So roch es früher, wenn man zu Besuch kam!

Rösten wird heutzutage kaum jemand selbst – aber die Möglichkeiten, richtig gute Bohnen zu erwerben, sind in den letzten Jahren gewachsen. Kleine Röstereien wie espresso tostino achten bewusst auf Anbau- und Produktionsbedingungen ihrer Ware. Was nicht einfach ist: Weniger als 5% des gesamten Kaffees wird biologisch angebaut. Bio-Kaffee aus fairem Anbau gibt es oft nur in begrenzten Mengen. Mag für den Verbraucher ein Pestizideinsatz aus dem konventionellen Anbau im Kaffee nicht mehr feststellbar sein, aber das Gift bleibt im Anbauland: Bei den Menschen dort, in den Ernterückständen, im Boden. Solch ein Produkt, so Gerald Hammer, der die Besucherinnen durch die Rösterei führte, kommt für espresso tostino nicht in Frage. Von zwei Hamburger Großhändlern erhalten sie ihre Bio-Rohware. Soweit möglich und gut nachvollziehbar ist sie auch fair angebaut und gehandelt.

Wie bei Wein oder Schokolade beeinflusst nicht nur Sorte, Anbau und Ernte die Qualität, das Aroma und den Geschmack des Kaffees, sondern auch die Verarbeitung. Großröstereien sind mit ihren Bohnen in wenigen Minuten fertig. Die beiden Männer von espresso tostino nehmen sich Zeit: für Kaffee zwischen 12 und 14 Minuten, für Espresso zwischen 17 und 20 Minuten. So wird das Getränk bekömmlicher. Die Säure im Kaffee nimmt mit der Dauer der Röstung ab, allerdings auch die Aromenvielfalt. Gerade gegen Ende der Röstzeit ist also Aufmerksamkeit und Erfahrung gefragt. Mit ihrem ersten professionellen Trommelröster, einem Modell aus 1959, werden sie durchaus mal zu dunkel. Ihr neuer Röster lässt sich besser steuern – und auch größere Mengen verarbeiten, denn 8 Tonnen im Jahr bekommt die kleine Rösterei zusammen. Falsch geröstete Bohnen, aus denen z.T. auch Kaffeeöl austritt, gehen in den Behälter für den Zoll. Denn die Röststeuer von 2,14 € pro kg gilt nur für die verkauften gerösteten Bohnen, nicht für Ausschuss.

Die frisch gerösteten Kaffeebohnen müssen abgekühlt werden

Allein 2,14 € Röststeuer für das Kilo? Da lässt sich leicht ausrechnen, was für Kaffeebäuerinnen und –bauern übrig bleibt, wenn wir zum Sonderangebot zu 3,49 € für das Pfund greifen.

Gerade Spezialitätenkaffee, z.B. von Wildbäumen in Äthiopien, wird von Hand gepflückt. Die reifen Kaffeekirschen müssen zwischen den unreifen herausgesucht werden. Innerhalb von zwei Stunden wird die Ernte verarbeitet, sonst fängt sie an zu gären. Das bedeutet meist: in der Sonne trocknen, immer wieder wenden. Wenn das Fruchtfleisch getrocknet ist, kann es mit Bürsten entfernt werden. Bei der zweiten Methode kommen die Kaffeekirschen in einen Gärtank zur kontrollierten Fermentation. Diese Verarbeitung lässt sich besser kontrollieren, aber pro Tasse Kaffee werden ca. 500 l Wasser benötigt. Eine enorme Menge dafür, dass wir gern mal zu viel gekochten Kaffee in den Ausguss schütten....

Keine Führung ohne Verkostung. Und ebenfalls wie bei Wein wird der Kaffee geschlürft, genippt und es wird von diversen Aromen gesprochen – was die unbedarften Kaffeetrinkerinnen in der Rösterei mit Fragezeichen im Gesicht zurück ließ: Aha?

Einfacher hatte es Hammer, als er die Besucherinnen an den gerösteten Bohnen aus Äthiopien schnuppern ließ – denn siehe oben: Gerüche wecken Erinnerungen. Von diesem Kaffee entschloss sich manche zum Kauf. Hatten sie doch noch wichtige Tipps zur Lagerung (z.B.: nie im Kühlschrank) und Zubereitung (z.B. bei größerer Menge gröber mahlen) mitbekommen: Der letzte, wichtige Punkt für guten Kaffeegenuss.

Keine Führung ohne Verkostung: Der Kaffeeröster richtet für seine Besucherinnen die Tassen


Kaffee und Espresso von espresso tostino gibt es nicht nur in der kleinen Bar espresso stazione in der Kreuzstraße, sondern seit diesem Jahr auch im Röst-Café im Schlachthof. Öffnungszeiten sowie Cafés, Bars und Restaurants für den Genuss der feinen Bohnen finden Sie auf der Website: tostino.de

Herzlichen Dank für die anregende Führung!


Die „Servicestelle für ehrenamtliches und soziales Engagement“ der Paritätischen Sozialdienste vermittelt und begleitet Ehrenamtliche in diversen Projekten. Wenn Sie sich ebenfalls für Kinder, für Familien oder für pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren engagieren möchte, informieren wir Sie gerne.

Kontakt:
Servicestelle für soziales und ehrenamtliches Engagement
Stefanie Bienwald
Tel.: 0721 / 912 30 - 58
Fax: 0721 / 912 30 - 52
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Website: Servicestelle für soziales und ehrenamtliches Engagement

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