„Man kann noch andere Sachen als mit seinen Eltern machen.”

Erstellt: Montag, 29. September 2014

Interview mit einem 9-Jährigen

Wohnen für Hilfe ist ein Angebot auch an Familien/Alleinerziehende. Die Studierenden, die bei ihnen wohnen, übernehmen z.B. Kinderbetreuung und unterstützen bei den Hausaufgaben.
Wie erlebt ein Kind so eine Wohnpartnerschaft? Das haben wir Jonas gefragt. Jonas ist 9, Autofan, und lebt mit seiner Mutter und der Studentin Eva als Wohnpartnerin zusammen.

Wohnen für Hilfe: Hallo Jonas! Stellst du dich kurz vor?
Jonas: Ich bin Jonas, meine Hobbies sind Fußballspielen, Basteln … und - mehr hab ich nicht.

Wohnen für Hilfe: Basteln – ich sehe hier das Flugzeug. Deine Mutter hat mir davon erzählt, das ist schon beeindruckend!
Jonas: Hmmm. Wir haben mit Flaschen und mit Pringles-Schachteln gebaut. Ein bisschen Pappe für die Spitze, die Düsen sind Klopapierrollen. Und die Flügel sind auch aus Pappe. Eva hat ein Buch gehabt, aber wir haben es ohne Anleitung gemacht. Ich hab entschieden, wie wir es anmalen. Und wir wollen noch das Unterteil ganz schwarz machen.

Wohnen für Hilfe: Ihr bastelt wohl häufiger zusammen?
Jonas: Ja. Wir haben noch Robben aus Papier gemacht und Frösche. Und einen Drachen.

Wohnen für Hilfe: Einen richtigen Drachen zum Steigen lassen?
Jonas: Ja, so ein Tütendrachen, mit einer Plastiktüte. Der ist dann ein bisschen geflogen.

Wohnen für Hilfe: Hat er überlebt?
Jonas: Nee. Und wir haben noch ganz oft Papierflieger vom Balkon fliegen lassen, wenn starker Wind war.

Wohnen für Hilfe: Wer hat sie dann wieder hoch geholt (Jonas wohnt im 3. OG, das Haus hat keinen Aufzug)?
Jonas: Wir.

Wohnen für Hilfe: Wie oft bastelst du mit Eva?
Jonas: Sie passt einmal in der Wochen abends auf mich auf und manchmal auch am Samstag drei Stunden. Meistens bastel ich was. Und dann machen wir ein bisschen Sport – uns mit Kissen bewerfen und mit Luftballons.

Wohnen für Hilfe: Seid Ihr auch schon mal miteinander Fußballspielen draußen gewesen?
Jonas: Nein.

Wohnen für Hilfe: Hast du ihr denn schon mal vorgeschlagen, Fußball zu spielen?
Jonas: Nö, ich bastel halt mit ihr. Mit meinem Papa spiel ich Fußball.

Wohnen für Hilfe: Euch gehen die Ideen nicht aus?
Jonas: Nee. Eva überlegt sich was und schlägt es vor. Beim Flugzeug wollte ich aber ein anderes bauen als sie. Da habe ich nein gesagt. Wir haben im Frühjahr auch was auf dem Balkon ausgesät. Das Gitter war für die Blumen zu weit weg, dann mussten wir erst was bauen, damit sie hoch kamen.

Wohnen für Hilfe: Ich sehe hier das Tomaten-Maultaschen-Suppe-Rezept, das habt Ihr auch zusammen gekocht?
Jonas: Ja, wir haben das auch selber erfunden. Wir haben das schon ungefähr fünf Mal gemacht. Die Mama hat es aber noch nicht so oft probiert.

Wohnen für Hilfe: Wie ist das denn, dass Eva hier wohnt. Vorher hattest du mit deiner Mutter alleine gewohnt und dann kam die Eva: war das komisch oder war das OK?
Jonas: Ich fand's OK. Das war nicht so ne große Umstellung, weil wir eine große Wohnung haben. Ihr Zimmer ist das Zimmer, das vorher unser Computerzimmer war, da konnt ich nicht mehr rein. Das ist doof. Manchmal ist sie halt in der Küche. Und sie hat ja ein eigenes Klo und so.

Wohnen für Hilfe: Hast du sie kennen gelernt, bevor deine Mutter entschieden hat, dass sie hier einziehen wird?
Jonas: Sie kam einfach mal, um mit mir was zu machen. Und dann hab ich gesagt, mir ist es egal.

Wohnen für Hilfe: Das heißt, es könnte auch ein junger Mann einziehen?
Jonas: Ja. Kommt drauf an, wer. Wenn er Fußball kann, wär es gut.

Wohnen für Hilfe: Die Alternative wäre, dass immer mal jemand vorbeikäme, um mit dir Zeit zu verbringen, wenn deine Mutter nicht da ist - könntest du dir das auch vorstellen?
Jonas: Ich find es so besser. Meine Mama müsste ja dann auch noch Geld dafür bezahlen.

Wohnen für Hilfe: Und wenn die Eva nicht mehr da wäre, wäre es dann langweiliger?
Jonas: Ich hätte dann das Basteln vermisst. Vielleicht kommt dann ja jemand anderes. Aber ich glaub, mit 11 brauch ich auch keinen mehr. Sie wird ja jetzt nicht in einem halben Jahr ausziehen.

Wohnen für Hilfe: Warst du schon mal mit ihr an ihrer Hochschule?
Jonas: Nee, aber ich weiß, was sie studiert. Sie wird Lehrerin.

Wohnen für Hilfe: Weißt du denn, was du später mal machen möchtest?
Jonas: In einer Autofabrik arbeiten, ich will ausdenken, wie die Autos aussehen sollen. Ich hätte gerne einen Audi TT. Ich war in Heilbronn mal in einer Audi-Werkstatt, die produzieren da den Audi A6 und den A7. Da hab ich mit meinem Papa ne Führung gemacht, als Geburtstagsgeschenk.

Wohnen für Hilfe: Denkst du denn, so eine Wohnpartnerschaft eignet sich auch für andere?
Jonas: Ja, ich würd es schon empfehlen. Man kann noch andere Sachen als mit seinen Eltern machen.

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Wohnen für Hilfe: Und wie erlebt die Mutter die Wohnpartnerschaft in Bezug auf ihren Sohn?
Jonas Mutter: Was mich am meisten überrascht hat, ist, wie flexibel Kinder sind. Ich machte mir vorher so viel Gedanken, ob das was wird – und dann ist es so unkompliziert, überhaupt kein Thema für ihn. Ich glaube, für uns ist es viel schwieriger, sich darauf einzulassen, als für die Kinder.
Für mich ist es entlastend, dass ich weiß, an diesen bestimmten Tagen übernimmt sie die Betreuung. Das ist die Vereinbarung und das funktioniert einwandfrei. Wenn ich sie außerhalb dieser Zeit brauche, springt sie ein, sofern sie kann. Natürlich schreibt sie diese Zeiten auf, aber ich hab auf jeden Fall eine erste Anlaufstelle zur Betreuung.

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Stefanie Bienwald / Susanne Butz
Tel.: 0721 9123034
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